Zu einer Hochzeit nach London eingeladen zu werden ist eine tolle Sache. Bloß: Zeit für einen echten London-Trip bleibt da natürlich gar nicht. Also haben wir versucht, aus unserem einzigen ganzen freien Tag in London das Beste zu machen. Mein vorher sorgfältig zusammengestelltes Programm hat dabei nicht wirklich gehalten. Aber darum geht es ja auch: sich treiben zu lassen und einfach das Flair der Stadt zu genießen. Bei mir hat’s geklappt: von einer London-Verweigererin bin ich zu einem London-Fan geworden. 🙂
Frühstück: Fit für den Tag in London
London bietet eine unglaubliche Auswahl an tollen Lokalen in einer Vielzahl an lässigen Neighbourhoods. Meine Wahl fiel auf das entzückende Covent Garden und das Café 26 Grains. Wer ein echtes Hipster-Frühstück kosten und dabei ein Instagram-Bild nach dem anderen schießen möchte, ist hier an der richtigen Stelle. Ironie beiseite: Das Lokal ist in einer kleinen Gasse auf einem Mini-Platz gelegen, bietet wenige Sitzplätze draußen und drinnen und eine Karte voll mit gesundem Frühstück. Ich hatte einen Rhubarb-Granola-Porridge (warm, mhmmm), mein Mann Avocado und Ei auf gebratenem Sourdough-Brot. Probiert unbedingt den Green Smoothie! Ein Must-Have, in das ich mich reinlegen hätte können.
26 Grains, Neil’s Yard, London
Öffis: Covent Garden
Schlendern ist das neue Gehen: Spazieren an der Southbank
Die Southbank ist ein schmaler Streifen direkt am Südufer der Themse, ungefähr zwischen Westminster Bridge und Blackfriar’s Bridge. Dort kann man an schönen Tagen total entspannt der Themse entlang schlendern, unter Bäumen auf Bänken sitzen, den Joggern und Spaziergängern zusehen und einfach die Seele baumeln lassen. Dank der reichhaltige Gastronomie (ein Lokal reiht sich an das andere) ist auch ein Snack oder ein Kaffee jederzeit in Reichweite. Immer wieder trifft man auf Straßenkünstler oder, wie in unserem Fall, Sandkünstler. Das Sea Life Aquarium, der London Dungeon und Museen sind auch direkt an der Southbank zu finden. Und die Ausblicke auf die großen Sehenswürdigkeiten, die sich laufend ergeben, sind einfach grandios. Zeit verschwenden war noch nirgendwo so schön!
Öffis: z.B. Waterloo
Der Borough Market: das Paradies für Feinschmecker und Genießer
Ich liebe ja Märkte! Märkte sind für mich an Städtetrips eigentlich immer das Schönste. So viel zu schauen und zu kosten, es ist einfach wunderbar. Eigentlich hatte ich mir den Borough Market für diesen Tag nur deshalb vorgemerkt, weil anlässlich des „St. George’s Day“ dort allerhand Programm stattfand. Aber das war sofort vergessen als wir die grandiose Markthalle erblickt haben. Egal, worauf man Lust hat: Dort bekommt man es. Auch Veganer kommen übrigens voll auf ihre Kosten. Wir haben uns durchgegessen von frischen Austern und Jamón Pata Negra bis hin zu fließendem Rohmilch-Käse und Schokolade-Orangen-Eis aus Ziegenmilch. Aber das Schönste sind die Farben, die Gerüche und das überbordende Angebot, das (zum Glück) in unserem Koffer niemals Platz gefunden hätte. Beim nächsten Besuch werde ich aus dem „Tag in London“ einen „Tag am Borough Market“ machen!
Wer eine klassische Pub-Pause braucht, ist übrigens nach dem Marktrundgang im Wheatsheaf gut aufgehoben. Nicht gerade das günstigste Bier, aber das Pint aus der VW-Bully-Bar auf einer Schaukel oder auf ausrangierten Autositzen zu genießen ist einfach sowas von cool!
Öffis: London Bridge Underground Station
… oder einfach zu Fuß von der Southbank herschlendern!
Entdecken und Schauen
In London gilt: Augen auf und entdecken! Der Kontrast von alter und neuer Architektur, von altehrwürdigen Sehenswürdigkeiten und Baukran-Dschungel ist richtig spannend. Auch für Nicht-Architektur-Freaks wie mich übrigens! 🙂 Und dazwischen findet man in einem fast unscheinbaren Hauseingang wieder ein grenzgeniales Pub. Einfach treiben lassen ist für einen Tag in London die beste Devise.
Ein Tag in London braucht auch ein bisschen Kultur
Kein Museumsgeher? Keine Sorge, ich auch nicht. Aber eine Stadt wie London bietet eben dann doch auch für eher-Kulturmuffel wie mich etwas. In diesem Fall bin ich auf einer London-Website zufällig über die Pop-Up-Ausstellung Sense of Space gestolpert. Vier ganz unterschiedlich gestaltete Räume, freier Eintritt, kein stundenlanger Museumsbesuch: perfekt.
Für Sense of Space wurde am Exchange Square extra ein kleines Gebäude errichtet. Der Eingang ist bereits der erste Raum und wurde vom Künster „Mr Doodle“ in einer 4-tägigen Live-Doodle-Aktion vom Boden bis zur Decke mit Zeichnungen versehen.
Raum 2 ist ein Spiegelraum gefüllt mit einer abstrakten Cherry-Blossom-Tree-Landschaft. Die Naturgeräusche im Hintergrund und die fantastischen Farben ließen uns in diesem Raum total versinken.
Ab in den Raum 3 zu einer ganz besonderen Installation. Im großen Spiegel werden alle Bewegungen der sich spiegelnden Person mit Lichtpunkten nachgebildet. Spielerische Menschen kommen hier voll auf ihre Kosten.
Der letzte Raum ist ausgefüllt von einem riesigen Polster mit felligen Kissen. Schuhe ausziehen, reinfallen lassen und genießen! „The Zen Studio“ ist genau dafür da: um sich eine Auszeit von der stressigen Außenwelt zu nehmen.
Sense of Space
5. April – 18. Mai 2018
Öffis: Liverpool Station
Den Tag in London chillig im Pub ausklingen lassen
Wer mit Fußball-Fans unterwegs ist, deren englische Lieblingsmannschaft an genau jenem Tag ein wichtiges Spiel spielt, kommt nicht drumherum, rechtzeitig einen Fernseher aufzusuchen. Wir haben uns am frühen Abend mit zwei anderen befreundeten Pärchen aus dem Hochzeitstrupp abgesprochen. Eigentlich war der Plan in’s The Warwick Abendessen zu gehen. Ich habe mir dieses Lokal aus dem Web herausgesucht: eher auf der preiswerten Seite und sehr gemütlich. Auch die Happy Hour von 5 bis 8 pm spricht für sich…! Es hat toll ausgesehen, aber (OMG): Fernseher ja, aber keine Übertragung des Spiels.
Als ab nach gegenüber in’s klassische englische Pub. Dort haben wir im ersten Stock einen Tisch für den Abend reserviert und die Wartezeit überbrückt mit Bier und Cider (die Männer) und Schuh-Shopping auf der Regent Street (die Mädels). Beides übrigens höchst erfolgreich.
Das Abendessen war gut, reichlich und preislich total in Ordnung, das Spiel ist ausgezeichnet verlaufen – alle waren glücklich!
Öffis: Piccadilly Circus
Meine Tipps für euren individuellen Best-Of-Day
Kaum ein Best-Of-Day, den ihr im Internet für einen Tag in London finden werdet, ist für euch persönlich perfekt. Deshalb nehmt euch etwas Zeit und stellt euch selbst eine Liste mit Dingen zusammen, die ihr gerne erleben oder sehen würdet. Wichtig dabei: Euer Plan ist nicht in Stein gemeißelt. Vielleicht hat das Frühstückslokal geschlossen oder in der Sehenswürdigkeit ist einfach zu viel los. In einer so lässigen und großen Stadt findet sich immer Ersatz. Einfach locker angehen und genießen!
- Ihr kennt Menschen vor Ort oder kennt jemanden, der dort jemanden kennt? Sofort nach Tipps ausquetschen!
- Essen: Sucht auf englischen (!) Websites nach Lokalvorschlägen für das, was ihr euch wünscht. z.B. „best pubs in the inner city“ oder „best fish restaurants in London“ und lest euch die Bewertungen durch, auch auf Tripadvisor.
- Extreme-Sightseer werden mit Pub-Sitzern vielleicht bei einem gemeinsamen Tagestrip nicht so glücklich werden. Also einfach aufteilen und später wieder treffen, dann hat man auch wieder viel zu erzählen.
- Lest Blogs und Reiseberichte, dort finden sich oft richtig gute Geheimtipps.
Und vergesst nicht: Macht genau das, was ihr möchtet, ohne Erwartungen zu erfüllen. Es ist euer Urlaub! 🙂
Am Ende noch ein richtig guter App-Tipp:
Mit der App Citymapper konnten wir absolut perfekt und easy durch die öffentlichen Verkehrsmittel in London navigieren. Für Android und iOS erhältlich. Datenroaming erforderlich.